Los Estados Unidos

Die Zeit vergeht und ich habe es wieder nicht geschafft früher zu schreiben. Obwohl viel passiert ist. Gerade sitze ich in einem Kaffee. Die Siesta ist gerade vorbei, die Sonne scheint und es wird spanisch gesprochen. Alles wie gewohnt sollte man denken. Allerdings zahle ich am Ende des Artikels in Euro. Ich bin in Spanien. Madrid. Ich habe einen Zwischenstopp auf meinem Flug nach Tel Aviv. Dort werde ich die nächsten 2 Wochen verbringen. 2 Hochzeiten und ein bisschen reisen. Nicht alleine. Oritt und ihre Familie sind dabei. Ohne sie hätte mich wohl nichts in diese Ecke der Welt gelockt. Aber von Anfang an… und der Soundtrack:

Ich bin über Panama nach New York geflogen. Jemand sagte mir Panama City ist der richtige Vorgeschmack auf die USA. Und er sollte recht behalten. Die Gebäude reichen bis zum Himmel, viel beschäftigte und anscheinend wichtige Menschen, alles schnelllebig und schmutzig. Die Stadt war sehr künstlich und touristisch. Mehr wissenswertes wüsste ich nicht zu sagen.

Dann kam New York. Die einige Stadt in den vereinigten Staaten die mich seit jeher gereizt hat. Empire State. Die Metropole der Welt. Ich kannte sie nur aus Filmen und vom Geflüster der Straße. Aber diese Stadt selbst zu erleben und einzuatmen ist was anderes. Zugegeben ich hatte anfangs einen riesigen Kulturschock und bin ganz und gar nicht darauf klargekommen. Die Menschen, die Oberflächlichkeit, der Müll, der Verkehr, die Größe der Gebäude. Diese Stadt ist ein Größenwahn. Kapitalismus und Konsum pur. Man kommt sich unbedeutend vor, was erklärt warum alle Menschen mehr erreichen wollen. Sich einen Namen machen. Jemand sein. Klar könnte man das jetzt auf das Aufmerksamkeitsdefizit der westlichen Welt ausbreiten und erklären warum soziale Medien wie Facebook, Snapchat, Twitter, Instagram und Co. So erfolgreich wurden. Aber da ich kein Soziologe mehr bin, muss ich mich damit nicht mehr auseinandersetzen.

Ich habe die ersten Wochen keinen Menschen gesehen, der auf die Straße geschaut hat oder im Blick gehabt hat wohin er geht. Wirklich jeder hatte ein Smartphone vor der Nase und sich so durch die Stadt navigiert, E-Mails beantwortet, telefoniert oder sein soziales Leben aufrecht erhalten. Niemand hat Mitmenschen angeschaut oder betrachtet.

Über den Verkehr weiß ich gar nicht was ich schreiben soll. Autos überall, Ampeln an jeder Ecke, irreführende Schilder, Busse, Taxis fahren wie sie wollen, Radfahrer mittendrin und Fußgänger laufen wo und wann Platz ist. Es hat keinen Sinn für mich gemacht.

Das bis heute mit Abstand schlimmste was ich in meiner gesamten Zeit in den USA erlebt habe ist das nicht vorhandene Bewusstsein für Müll. Wegwurfbecher und Plastiktüten beherrschen den Alltag. Alles wird doppelt und dreifach eingepackt. Sogar Obst und Gemüse. Da die Menschen keine Zeit haben wird essen zu 90 Prozent zum Mitnehmen in Plastik, Alufolie und Styropor verpackt. Alles für den Komfort des Konsumenten. Damit der auf dem Weg sein Smartphone bedienen kann. Es ist beängstigend.

Es war mir außerdem nicht bewusst, dass Klimaanlagen in den USA einen so großen Anklang fanden. Jedes zweite Haus in Manhattan ist ein Geschäft oder Laden. Und jeder Laden wird auf mindestens 18 Grad herunter gekühlt. Allerdings war mir auch nicht klar, dass der Sommer in NY eine so krasse drückende Hitze mit sich bringen kann und man kaum atmen kann. Alles zusammen hat dazu geführt dass ich in den ersten 4 Wochen 3 mal unangenehm krank wurde.

Nichtsdestotrotz strahlte die Stadt eine gewisse Faszination auf mich aus. Sie hat eine besondere Energie. Manche Viertel mehr, manche weniger. Oritts Bruder habe ich es zu verdanken, dass ich ein Fahrrad hatte um die Stadt auf bestmöglichem Weg zu erkunden. Oritt wohnt in Manhattan, Upper East Side, was mich demzufolge auch dort gehalten hat. Die für mich interessantesten Viertel waren definitiv das East Village, Brooklyn, Harlem und teile von Queens. Ich glaube das lag einig und allein an der Vielfältigkeit der Menschen. Während Uptown Manhattan eher Angepasstheit und Wohlstand verkörpern, habe ich in den anderen Vierteln mehr Individuen und charakterlich interessantere Menschen gesehen. Sei es der Stil oder die Lebenseinstellung.

Um die Verallgemeinerungen zu vervollständigen muss ich noch erwähnen, dass ich übertrieben viele asiatisch stämmige Menschen gesehen habe. Mit Abstand mehr als alle anderen Hautfarben zusammen. Außerdem gibt es einen rießen Trend mit einer Spiegelreflex oder antiken Kamera um den Hals gebunden durch die Stadt zu laufen. Ob Tourist oder Einheimischer. Was mich nach der ganzen Müllproduktion an der Stadt am meisten schockte ist, das es keinen Einzelhandel gibt. Egal ob Bar, Restaurant, Geschäft oder Boutique. Alles hat eine zweite Filiale oder ist gar eine Kette. Traurig wenn das ein Zukunftsszenario wird. Oder vielleicht schon ist.

Genug Negatives. Die Stadt ist Beeindruckend. Da Oritt die ersten Wochen viel gearbeitet hat (Zu meinem Wohl oder Übel in einem Outdoorshop) habe ich viel gesehen. Wenn ich nichts erkundet habe habe ich bei ihr eingekauft. Als erstes habe ich meine Laufmontur auf Vorderman gebracht und joggend den Central Park erkundet, der nur 3 Blocks entfernt war. Ja, man braucht definitiv eine Karte um die ganzen Versteckten Sehenswürdigkeiten wie den Shakespere Garden, de Strawberry Fields (das Denkmal an dem John Lennon erschossen wurde), The Mall und viele kleine Statuen zu finden. Ich war in kleineren und größeren Museen, habe Radtouren nach Staten Island (vorbei an der Freiheitsstatue – Sie ist wirklich kleiner als man denkt) gemacht und habe mich langsam an die kulinarischen Köstlichkeiten des Landes herangetastet. Eigentlich wollte ich eine offizielle Rangliste von den besten Burgern der Stadt erstellen. Allerdings merke ich mehr und mehr, das ich mir dazu Notizen hätte machen sollen.

Darum nur eine Top 5:

  1. Raul’s: Ein kleines französisches Restaurant bei dem der Koch sich weigert Burger in die Speisekarte aufzunehmen. Darum werden nur 12 am Tag gemacht und die Köche beim eröffnen des Restaurants ‚aufzuwärmen‘. Leute stehen um 17Uhr Schlange dafür.

2. Emilys: Ein sehr kleines Restaurant in Brooklyn. Bekannt für die Pizza, aber der Burger läuft ihnen den Rang ab. Das Brötchen ist ein Laugebrötchen.

3. 5 Guys: Kette. Sehr Puristisch. Aber genialer Geschmack

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4. Joint Burger: Versteckter kleiner Burgerladen in einem Kämmerchen hinter der Rezeption eines 4 Sterne Hotels

5. J.G. Melon: Restaurant mit Tradition. Tomate gehört nicht auf den Burger. Oritts Favorit.

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Diese Liste beansprucht keine Vollständigkeit.

Und ich glaube fürs erste habe ich mich an Hamburgern satt gegessen. Desweiteren wurden Dounuts, Fried Chicken, Pizza, Bagels und wenige Hot Dogs probiert.

Mr. President Donald Trump Jr. Gab sich auch die Ehre ab und an die Stadt zu besuchen. Es waren unglaubliche Tage. Der Verkehr war vollkommen lahmgelegt. Es herrschte Chaos. Die Straßen waren noch überfüllter als sonst. Es ging nichts. Rein gar nichts… Danke Mr. President.

New York ist auch eine Stadt in der es selten langweilig wird. Man findet jede Woche Essensmärkte, Bauernmärkte oder irgendwelche anderen Festivitäten in den Staßen. Auch der Christopher Street Day hat stattgefunden und die Stadt in Regenbogenfarben, Nackte Haut und jede menge Stringtangas getränkt.

Die Zeit ging schnell vorbei und mein gebuchter Flug nach Neuseeland kam näher und näher. Eine Entscheidung musste her. Bzw. war sie wohl schon länger unausgesprochen gefallen. Ich verschiebe meinen Flug. Nicht nur das. Oritt kommt mit mir nach Neuseeland. Wie, Wann, Wo, Was war noch unklar. Aber auch eher zweitrangig. Für uns beide eine große Entscheidung, aber für Sie wohl noch einen Schritt weiter, weil sie ihre Zelte hier wieder abbricht und einen Neuanfang zu wagen. Am anderen Ende der Welt. Klingt leichter als es ist, da dazwischen noch eine Menge organisatorische Aufgaben lieben. Z.B. ein Familienurlaub in Main, eine Hochzeit Ende August, 2 Hochzeiten in Israel, Visum beantragen, Job kündigen (zumindest Ihren), Freunde verabschieden, Einkaufen, nach Flügen schauen und meinen Flug verschieben. Jetzt kann ich sagen, ohne auf Details einzugehen, vieles hat geklappt.

Der Familienurlaub in Maine war grandios. Ihre Schwester, die die letzten 3 Monate in Frankreich verbracht hat, ihre Eltern und wir beide waren in Bar Harbour und Portland. Wandern, im Casino und auf Bootstour. Ich war vom ersten Moment an, als ich ihre Familie kennengelernt habe überwältigt mit wieviel Offenheit alle auf mich zugekommen sind. Interessiert, witzig und Hilfsbereit. Und am wichtigsten: Nicht abgeneigt ihre Tochter mit einem arbeitslosen Schreiner durch die Welt tingeln zu lassen. Es ist eine tolle Familie und es hat sich schön angefühlt nach so langer Zeit wieder eine solche wärme zu spüren. Allerdings hat mir das auch gezeigt wie sehr ich meine eigene Familie und diese spezielle Wäre doch vermisse. Ich glaube gerade deshalb ist es auch komisch hier in Madrid zu sitzen, kilometertechnisch so nah zu sein und doch noch weit weg.

Positiv: Ein guter Freund hat sich verlobt und plant nächstes Jahr mit der Hochzeit. Die Fahnen stehen auf Deutschlandurlaub.

So negativ der Artikel zu NY geklungen hat habe ich meine Zeit sehr genossen. Ich mochte die Stadt und die Vielfältigkeit, das Essen und die Möglichkeiten (Obwohl ich nächstes Mal wohl eher während der Sportsaison kommen werde). Allerdings habe ich gemerkt, das ich niemals in dieser Stadt leben wollte. Gegen Ende war es Zeit zu gehen. Ich freue mich nun auf Israel und auf Neuseeland. Ich Freue mich auf das Arbeiten und auf das Niederlassen. Ich habe schon vorher gemerkt, dass ich keine Lust mehr auf Reisen habe. Mir ist es gerade zu anstrengend mich immer wieder neu zu erklären, immer wieder die gleichen Fragen zu beantworten, immer wieder neue Sachen zu sehen, so schön sie seien mögen. Ich bin Müde. Das war auch nicht der Grund warum ich mich uf den Weg gemacht habe. Ich wollte mich niederlassen. Ich wollte was anderes probieren. Kolumbien hat nicht geklappt. Neuseeland ist ein neuer Schritt. Oritt wird ein Teil davon. Es ist ein schönes Gefühl nicht alleine zu gehen. Jemanden dabei zu haben. Der einen ein bisschen kennt, auf den man sich verlassen kann. Es ist eine neue Erfahrung für mich. Wir haben viele Gemeinsamkeiten. Manchmal gute, manchmal schlechte. Sie regt mich aus vielerlei Gründen zum Nachdenken an. Sie kommt aus einer anderen Kultur, hat einen anderen Hintergrund, andere Erfahrungen gemacht, andere Denkweisen eingeprägt. Wir haben viele Widersprüche. Manchmal gute, manchmal schlechte. Es ist definitiv eine Herausforderung nicht mehr nur für sich zu denken. Entscheidungen gemeinsam zu treffen. Ich lerne viele neue Perspektiven, baue viele Stereotype ab, baue viele auf. Ich glaube es passiert gerade sehr viel in meinem Kopf. Ein weiter Grund warum ich mich freue ein ruhiges Umfeld aufzubauen. Wir wollen nach Wellington oder nach Wanaka. Wir freuen uns auf Besuch. Was ich von ihren Freunden herausgehört habe brauchen wir definitiv ein Gästezimmer und einen Doodle Account um Termine abzustimmen.

Last but not least bleibt noch ein Abend in New York unberichtet. Es war eine der Überraschungen von Oritt. Ich wusste das Dave Chapelle in der Stadt ist. Ein großartiger Comedian, den ich nur von seiner Show in den 2000ern kenne. Er plante einen ganzen Monat mit verschiedenen Gastauftritten von Musikern. Nach und nach wurden die Namen der Gäste veröffentlicht. Allerdings waren das Namen wie Lauryn Hill, Erykah Badu, Chance the Rapper, The Roots, Trevor Noah, Chris Rock etc. Die Preise schossen schneller in die Höhe, als ich klicken konnte. Darum hörte ich irgendwann auf zu suchen. Oritt jedoch nicht. Sie schaffte es recht lange es vor mir geheim zu halten, bis ihre Schwester einen Moment unaufmerksam war. Der Gastauftritt war Yasiin Bey aka. Mos Def. Ich wollte es erst nicht glauben. Ich vergöttere diesen Rapper seit ich zum ersten Mal seinen Hit ‚Miss Fat Booty‘ gehört habe. Kein anderer Artist verkörpert für mich Wortwitz, Intelligenz und Gesellschaftskritik mehr als dieser Mensch. Ich hänge seitdem an seinen Lippen und versuche in stillen Momenten seiner Lieder mitzurappen. Leider zu oft auf eine unwürdige weiße Art und Weise. Ich habe mir nie vorgestellt diesen Menschen einmal Live zu sehen. Jetzt war es so weit. Als wir in der Schlange standen kam der nächste Hammer. Er performte mit Talib Kweli. Ein Traumduo, das 2 Alben unter dem Namen ‚Blackstar‘ herausbrachte. Ich brach fast zusammen. Ich war wie gelähmt als er auf die Bühne kam. Konnte mich kaum bewegen. Dann kam Slick Rick. Mehr will ich nicht schreiben.

Außer: Dave Chapelle, Jerry Seinfeld, Chris Tucker, Ashy Larry etc…

Zurück in der Realität. Ich bin in Madrid. Und Zahle in Euro.

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2 Gedanken zu “Los Estados Unidos

  1. Hallo Gwenn,
    habe erst eben diesen Eintrag gelesen.Bin irgendwie davon ausgegangen, dass mit Abreise aus Kolumbien soweit Schluss ist zumal der Blog von meiner Leister verschwunden war. Vera sagte mir dass Du weiter schreibst und heute konnte ich auch die anderen Beiträge wieder aktieren.(Technik und kein Ende). Wieder wünderschöne Bilder und ein fesselnder Bericht.
    Mach heute Mittagmit der Seite weiter.
    Liebe Grüße Brigitte

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