Todo tiene su final

Ich habe lange nicht geschrieben. Anfangs hatte es den Grund das einfach nicht viel passiert ist.  [Erstmal der Soundtrack zu dem Artikel…] Ich habe mir einen Alltag aufgebaut. Ich bin mit der Sonne aufgestanden, habe Yoga gemacht, gefrühstückt, Kleinigkeiten erledigt, die ich lange aufgeschoben habe, habe mir meine Möbel gebaut, recherchiert, gelesen, Rezepte rausgesucht, wieder Sport gemacht, ausgiebig gekocht, mich an meinem neuen Instrument der Melodica (mehr schlecht als recht) versucht und den Abend ausklingen lassen. Ich habe meine erste eigene Wohnung genossen indem ich 90% des Tages nackt rumgelaufen bin. Es hat mir gut getan und es hat mir gefehlt. Manche Menschen schaffen es während des Reisens eine Art Alltag aufrechtzuerhalten. Da bin ich nicht der Mensch zu. Außerdem lasse ich mich doch eher in den Tag hereintreiben. Keine festen Pläne haben, eben nicht zu bestimmten Zeiten essen und Leute treffen, wenn man Lust hat sich mit jemand in einem Kaffee über Belanglosigkeiten zu unterhalten, macht man das. Das grenzt das Reisen nochmal auf eine andere Art und Weise für mich ab. „Glück ist eine Frage ihrer persönlichen Freiheit. […] Die Freiheit alle Bücher nicht zu lesen und zu chilln.‘

 

Ich habe diese Zeit gebraucht. Ich musste mich sortieren, Energie sammeln und weiter nach vorne schauen. Wie geht es langfristig weiter? Mit der Zeit hat mein Kopf herausgestellt, dass ich keine langfristigen Ziele brauche. Vielleicht nie gebraucht habe. Seit meinem ersten außereuropäischen Aufenthalt weiß ich das ich nie ein Mensch sein werde der an Zukunft glauben wird. Ich werde nie einen 5 Jahresplan entwerfen, ich werde nie weiter als den nächsten Schritt denken. Selbst wenn ich wollte würde ich es wohl nicht können. Und um diese Erkenntnis bin ich recht Froh. Ich habe 2 Prioritäten gespürt. Ich will Abstand von diesem Land. Und ich will wieder arbeiten. Es gab glücklicherweise mehrere Optionen für junggebliebene Menschen wie mich. Es gibt Work and Holidayvisa für verschiedene Länder. In die engere Auswahl kamen Australien, Kanada und Neuseeland. Allesamt Länder die es niemals in meine Top 10 geschafft hätten (nicht mal in die Top 80), wenn man sich nicht eingestehen müsste, dass es nun mal hauptsächlich in entwickelten Ländern leichter ist (monetäre) Anerkennung für seine Arbeit zu finden. Vor nicht allzu langer Zeit ist eine neue Option dazugekommen. Ich könnte vorerst alles hinschmeißen und mit dem 1.FC Köln Europa bereisen. Heimspiele, Auswärtsspiele und der internationale Wettbewerb, bis in 2 Jahren die Championsleauge und später die Weltmeisterschaft blüht. Das Bauchgefühl sagte jedoch Neuseeland. Darauf ist die Entscheidung auch gefallen (vorerst), trotz Recherche in alle Richtungen. Letzte Woche kam die Zusage für das Visum. Die Vorfreude hält sich noch in Grenzen, allerdings muss ich sagen, dass sie Tag für Tag wächst. Eine andere gute Eigenschaft des Work and Travelvisums ist, das es auf ein Jahr begrenzt ist. Heißt: In einem Jahr stehe ich vor der gleichen Entscheidung. Komme ich auf diesen wundervollen Kontinent zurück. Mein Herz fängt immer stärker für Mexiko und Patagonien an zu blühen. Ist Europa doch eine ernstzunehmendere Option? Oder einfach Rot-Weißer Edeljeck. Schritt nach Schritt.

Auch aus einem anderen Grund waren die Aktivitäten weitestgehend eingeschränkt. Es war Regenzeit. Und das hat hier was zu heißen. Anfangs hat es nur Nachmittags ein paar Stunden geregnet. Dann aber richtig. Es wurde mehr und manchmal hat es den ganzen Tag und die Nacht durch geregnet. Wie gesagt kam mir das nicht unrecht. Aber wandern ist eben flachgefallen. In meine geliebten Nevados hat es keinen Sinn aufzusteigen. Schade, wenn nach Cocuy nichtmal hier in den Paramo komme. Im Endeffekt gibt der Monat doch schnell rum. Wie alles im Leben. An dem Tag an dem ich mich auf den Weg nach Bogota machte um hohen Besuch zu empfangen, gab es in Manizales einen Erdrutsch, weil es 2 Tage vorher durchgeregnet hat. 21 Tote. Mocoa hat es bis nach Europa in die Schlagzeilen geschafft. Das ist nur ein Bruchteil der Unfälle und Schlammlawinen in Kolumbien jedes Jahr mit denen die Bevölkerung leben muss. Klar immer sind die Ärmeren betroffen, was einfach daran liegt, das diese an den Rändern der Städte an den steilsten Hängen wohnen. Häuser und Hütten aus Holz und Bambus ohne jede Genehmigung. Bäume fällen für mehr Raum. Erde abtragen für Ebene Flächen. Alltag. Und jeder lebt mit dem Risiko.

 

Meine Mutter gab mir die Chance ihr ein bisschen von diesem wundervollen Land zu zeigen. Die Vorfreude war riesig. Schließlich haben wir uns 9 Monate nicht gesehen. Ich hatte riesige Pläne geschmiedet. Ich habe noch nie so viel für 2 Wochen reisen geplant. Hotelbewertungen angeschaut, Flugpreise verglichen, Viertel angeschaut, wieder Hotelbewertungen, Restaurants, Tagespläne gemacht, Aktivitäten koordiniert, Flugpreise Hotelbewertungen, Hotelbuchungen, Hotelstornierungen, Hotelbewertungen, Wettervorhersage, Aktivitäten, alles umgeschmissen, weil sie nicht so viel in zwei Wochen gepresst haben wollte. Also von vorne. Hotelbewertungen, Aktivitäten, Hotelbuchung, Hotelbewertung, Hotelstornierung, Flugpreise, Kaffee, Hotelbewertung, Hotelbuchung, Aktivitäten, Tage ausgerechnet, Flüge gebucht. Zack. Der Plan stand. Minutiös geplant. Wie in einer Tourismusagentur. Perfekt zugeschnitten auf die Wünsche des Kunden. Es fehlte an nichts. Doch dann. Hatte der Flug Verspätung. Alles für die Katze. Mir ist aufgefallen das ich zum ersten mal jemanden vom Flughafen abgeholt habe. Ich musste mich erst einmal zurechtfinden. Menschen mit Blumen, Schriftzügen, Bannern, Taschentüchern und Luftballons, die geschrien, gelacht, nervös herumgerannt sind und geweint haben, haben es mir allerdings ein wenig leichter gemacht. Der Flughafen hat einfach eine sehr spezielle und angenehme Atmosphäre. Mein Plan einen ganzen Tag einfach mal dort zu verbringen steht auf jeden Fall immer noch. Es ist ein Ort der Emotionen jeglicher Art. Und der seltsamen Gestalten. Auch das verhalten vieler Personen ist interessant. Wenn sich nämlich zu viele Menschen an dem Ausgang der Türen für die ankommenden Menschen sammeln, wird oft ein Kreis gebildet. Jeder Will in erster Reihe stehen, das die oder der Ankommende seine Liebenden und die vorbereiteten Beweise der Liebe gleich sieht. Da Menschen aus Bogota fast alle gleich groß sind, sind zweite Reihen eher zum vordrängeln in die Erste gedacht. Durch diesen sehr dichten Halbkreis ist es für die ankommenden Personen allerdings schwierig den Türbereich zu verlassen. Also staut es sich nach hinten und niemand kommt raus. In den 1,5 Stunden in denen ich gewartet habe fand dieses Phänomen drei mal statt. Die Sicherheitskräfte scheinen sich damit allerdings auszukennen und regeln das Problem professionell. Nach diesen ganzen Menschen mit Sachen in der Hand habe ich mich irgendwie schlecht gefühlt, dass ich für meine Mutter nicht mal Blumen mitgebracht habe. Dann ist mit allerdings aufgefallen das sie das auch noch nicht gemacht hat. Also war alles oke. Die Freude war groß. Unrealistisch. Nach neun Monaten endlich wieder die Person in den Armen zu halten, der ich das hier alles eigentlich zu verdanken habe. Die mir geholfen hat meinen Weg zu finden und mich bei allen Dummheiten unterstützt hat.

 

Die ersten Tage haben wir in Bogota verbracht. Ankommen, reden, Eindrücke sammeln und natürlich laufen. Die Sonne hat uns begleitet, was schon ein recht großes Geschenk für Bogota war. Da das Land einiges mehr zu bieten hat als die Hauptstadt sind wir recht zügig nach Santa Marta geflogen. Ich habe mir versucht vorzustellen, wie was für Eindrücke sie von dem Land bekommt, wenn man das erste mal auf diesem Kontinent ist. Die Art und Weise wie die Menschen miteinander reden, schreien oder handeln, die Luft, der Verkehr, das Stadtbild und die Gerüche. Bestimmt merkwürdig. In Santa Marta sind wir nicht geblieben. Gleich mit Taxi und Bus nach Palomino. Einem kleinen Dorf hinter dem Tayrona Park an der Karibikküste. Ich selbst war seit 5 Jahren nicht mehr an der Küste und wäre wohl nicht mehr hingegangen. Die Küste ist voller Schlitzohren… Aber für Mama… und das Essen… Eigentlich hat alles reibungslos geklappt und ich war froh, das die ersten Eindrücke so schön waren. Bis zu dem Punkt als der Bus angehalten hat, die hinteren Reihen, hektisch wurden, aus dem Bus gerannt sind und sich Rauch im Bus verteilt hat. Also alle raus. War nur der Motor. Überhitzt. Was ein Wunder. Wir sind zwar recht schnell wieder losgefahren, aber sind noch öfter liegen geblieben. Das hat dazu geführt, dass wir mit ordentlicher Verspätung im dunkeln im Dorf angekommen sind. Es gab keine Taxis. Nur Motorräder. Allerdings wussten diese wo das Hotel war. Ja, ich war stolz auf sie als sie sich mitten in der Nacht im nirgendwo an der Küste eines unbekannten Landes von dem sie ganz und gar kein Bild hat und nicht die Sprache spricht, unfreiwillig zu einem fremden Mann aufs Motorrad gesetzt hat und durch düstere Wege gefahren wurde. Schließlich sind wir angekommen, haben eingecheckt und uns mit der Wohl leckersten Pizza in ganz Kolumbien und 2 Caipirinas (oder 4) belohnt. Willkommen an der Küste! Die nächsten Tage haben sich ruhiger gestaltet. Viel zu machen gab es auch nicht. Shrimps, Kokosreis, Säfte und Sonne im Überfluss. Danach ging es nach Cartagena. Der ältesten Stadt des Kontinents. Ich glaube man sollte die Stadt einmal sehen, wenn man in Kolumbien ist. Es ist wunderschön durch die Gassen zu laufen und die Häuser zu anzusehen. Das war es aber auch. Darum ging es in die kühlen Berge. Eher meine Umgebung. Allerdings sind Berge in diesem Land auch eng mit Regen verbunden. Es war zwar keine Regenzeit mehr, aber sicher kann man sich da auch nie sein. Wir waren in Salento und dem Valle de Cocora ein wenig wandern. Danach ging es nach Manizales. Puh. Wieder Zuhause. Viele Szenenwechsel, viele Kilometer, viele Eindrücke, viel gegessen, wenig Zeit. Aber die Tatsache nicht mehr in einem Hotel zu sein, war entspannend. Endlich wieder kochen, endlich gewohnte Umgebung. Doch das Haus sollte nicht nur halb voll werden. Ein paar Tage später sollten in den späten Abendstunden 3 Gauchos vorbeigeritten kommen. Man konnte ihre Anwesenheit durch die Wände hindurch spüren. Ich denke kurz nachdem sie von ihren Pferden gestiegen sind, musste ich aus dem Fenster schauen, was ich im dunkeln eher selten mache. Der Längste von ihnen lief noch ganz verwirrt umher um sich zurecht zu finden. Die anderen beiden hielten sich in den Armen, wohl weil der Zwerggaucho müde war. Ich glaube die Blicke aller 4 kreuzten sich gleichzeitig. Welche Energie. Der Lange konnte sich nicht zurückhalten und führte einen Freudentanz/Paarungstanz auf. ‚Nicht vor meinem Haus!‘ dachte ich und rannte hinunter um ihn in die Schranken zu weisen und dagegen halten. Revier markieren. Doch sobald ich aus der Tür war griff er mich mit seinen monströsen Armen an und erdrückte mich fast. Ich konnte mich gerade so lösen und versuchte es bei den anderen beiden, doch auch sie hatten eine spezielle Umklammerungstechnik, die ich nur von Faultieren her kenne. Ich gab mich geschlagen und bot den Drei Obdach. In dieser surrealen Situation konnte man immer noch nicht begreifen was gerade passiert war. Ich konnte mich an eine alte Weisheit unserer Familie erinnern. Bier, Schnaps, Wein, Musik und Essen lösen alle schwierigen Situationen. Zum Glück war der Kühlschrank voll. Und kurz darauf fast wieder leer. Man hatte sich viel zu erzählen.

 

Als ich am nächsten Morgen aufwachte dachte ich es war ein Traum. Doch sie waren immer noch da. Und sie haben es sich bequem gemacht. Doch viel Zeit blieb nicht. Genau einen Tag. Dann hieß es Abschied nehmen. Die letzte Busfahrt mit meiner Mutter ging quer durch das Land. Manizales-Bogota. 9 Stunden. Doch wir konnten jede Minute genießen. Man sieht viel auf der Strecke. Auch der letzte Tag in Bogota ging schneller vorbei als gewünscht. An den Abschied will ich gar nicht denken. Der tut immer noch weh. Nachdem meine Mutter durch die Sicherheitskontrolle ist, blieb ich noch ca. eine Stunde am Flughafen um mich zu sammeln. Funktioniert hat das nicht. Ich weiss nicht was mich so aus der Bahn geworfen hat, aber ich stand vollkommen neben mir. Vielleicht weil die Zeit wirklich schön und reibungslos war, vielleicht weil es mir viel bedeutet hat das meine Mutter den weiten Weg auf sich genommen hat und ich ihr einen kleinen Teil von dem zeigen konnte, was mich so fasziniert. Von meiner Welt. Vielleicht weil sie eines Abends diesen Satz gesagt hat (‚Ich habe mich lange nicht mehr so jung gefühlt‘). Vielleicht weil ich diesmal wirklich nicht weiß wann wir uns das nächste mal sehen. Vielleicht auch alles zusammen. Ich weiss nicht ob es ein Schmerz der Trennung oder eine Freude der gemeinsamen Zeit war. Aber meist lassen sich diese Gefühle ja eh nicht unterscheiden.

 

Den nächsten Tag hatte ich eine enorme Energie. Ich nutze das um mich von Freunden in Bogota zu verabschieden. Und neue Kennenzulernen. Und mich um meinen nächsten Schritt zu kümmern. Visum USA und Visum Neuseeland. Für Neuseeland brauche ich eine ärztliche Untersuchung. Also nach Medellin. Kurz vorher aber zurück nach Manizales. Schauen was die Gauchos so machen. Hasta pronto Bogota. Dachte ich mir. Der Kühlschrank war leer. Aber sie fühlten sich anscheinend wohl. Das war die Hauptsache. Wir heckten Pläne aus wie wir die nächsten Wochen verbringen. Es gab viele Optionen. Choco, Paramo, Jungbusch, in der Kneipe. Wegen meiner Untersuchung musste ich erstmal nach Medellin. Also sind wir alle hin. Wir recherchierten viel. Dachten viel. Fantasierten viel. Am Ende kamen wir zu dem Schlusspunkt, dass es egal ist wo wir hingehen. Also hieß das Ziel San Luis, Antioquia. Viel wussten wir nicht darüber, aber wir wurden mit offenen Armen empfangen. Wahrscheinlich waren wir auch die ersten Ausländer die dieses schöne Dorf zu Gesicht bekam. Wir haben die besten Zimmer der ganzen Stadt bekommen. Blick auf die Plaza. Über einer Bar. Ich glaube in unseren Zimmern war der Schall der Musik lauter zu hören, als in der Bar selbst. Es ist schwer in zusammenhängenden Sätzen zu schreiben was wir dort gemacht haben. Viel gab es auch nicht zu tun. Ich versuche es in Stichpunkten: Früchte, Bier, Essen, Balkon, schlafen, Sonne, lachen, weinen, neuen Rumcocktail entdeckt, reden, spielen, Früchte, Wasserfall, Balkon, Krankenhaus, eine Runde um die Plaza gehen, Kamera kaputt. Punkt. Also fuhren wir wieder nach Medellin. Zweite Untersuchung für mich. Ich glaube mit den dreien habe ich mehr gegessen als die letzten Monate Kolumbien zusammen. Ja, man kann sagen wir haben es uns gut gehen lassen. Aber dabei muss man auch sehen wo diese Gauchos herkommen. Die letzten 6 Monate sind sie Tapfer durch die Steppen Patagoniens marschiert, haben sich von frischem Fisch, Gletscherwasser und Liebe ernährt. Die Kälte hat sie von dieser magischen Region in das Schlaraffenland geführt, in dem Rum und frittiertes Hähnchen die Straßen zieren. Wie sollen sie der Versuchung widerstehen? Außer man ist Vegetarier.

 

Von Medellin über Manizales nach Pereira. Noch mehr Besuch. Die Eltern des langen Gauchos kamen. Also wurde für ein paar Tage eine Finca im Grünen gemietet. Es sollte an nichts fehlen, also wurde großzügig eingekauft und gekocht. Das schwül-heiße Klima, das viele Essen, gutes W-Lan, dieser eine Rumcocktail und das Glück sich zu sehen versetzte uns in eine Art Trance. Trotz zahlreicher, vom Besitzer der Finca, aufgelisteter Aktivitäten, die man in der Region machen kann, verließen wir das Anwesen nur fürs einkaufen und einen Tagesausflug nach Salento und Filandia. Kurz bevor wir die Reise nach Pereira angetreten sind, wollte ich meine Sachen richten und musste mit Schreck feststellen das mein Rucksack und einige der Sachen, die mit ihm in dem Schrank standen ihre Farbe um schwarze Punkte oder weisen Flaum erweitert haben. Mir wurde kurz ganz anders. Wieder Ausgaben, die man sich hätte sparen können. Ich glaube im Amazonas hat es angefangen. Durch die Regenzeit und das immerfeuchte Klima Kolumbiens wurde es nicht besser. Aus meiner Perspektive. Also nutzte ich die Sonne und Hitze Pereiras auch um die Bunten Sachen erstmal mit Alkohol zu waschen. Mich innerlich auch. Es half. Einer der Höhepunkte der gemeinsamen Zeit war der Geburtstag des langen Gauchos. Es gab typisch nach patagonischer Sitte Luftballons, Geschenke und Kuchen, den der kleinste Gaucho am nächsten Tag klamm und heimlich alleine aß. Für mich persönlich war der Geburtstag so interessant, weil ich das berühmt berüchtigte Thaicurry des langen Gauchos versprochen bekommen habe. Dafür liebe ich ihn.

Nichtsdestotrotz kam wie immer im Leben ein unerwünschter Tag. Der Tag des Abschieds. Innerhalb von Minuten wird man in die Realität zurückgeworfen und schwebt nicht mehr auf Wolken. Man träumt nicht mehr vor sich hin. Man ist nicht mehr in der Komfortzone. Es ist nicht mehr alles Locker leicht. Für mich hieß das erstmals wieder alleine sein. Nach eineinhalb Monaten die schöner nicht hätten sein können, kam ich in ein leeres Haus in Manizales. Nichts außer Ruhe. Das hat mich aufgefressen. All die Erinnerungen, die Emotionen. Aber niemand da. Ich fühlte mich nicht wohl. Und hätte ich nicht noch Dinge zu tun gehabt, wäre ich daran wohl zerbrochen. Ich versuchte mich also zu fokussieren. Möbel verkaufen und Sport machen. Freunde verabschieden und Sachen Packen. Nach ein paar Tagen habe ich mich wieder gefangen. Wohl fühle ich mich immer noch nicht. Vielleicht liegt es auch daran das der Eintrag nicht so euphorisch wird und ich nicht die Tiefe rein bekomme, die ich gerne würde. Allerdings kann ich wenn es mir nicht gut immer ungeahnte Energien freisetzten. Ich habe den Entschluss gefasst jetzt nochmal wandern zu gehen. Da ich seit ich in Kolumbien bin nur einmal kurz durch den Paramo gestapft bin, will ich ein paar Tage nochmal in die Berge. Die Regenzeit hat aufgehört. Zwar ist es immer noch wechselhaft, aber wer weiß wann ich zurückkomme. Meine letzten Tage werde ich an der Küste verbringen. Es ist geplant die Gauchos nochmal zu sehen. Ob es klappt, weiß man nicht. Die Verkäufe ziehen sich hin und mir fällt einmal mehr auf, das Kolumbianer sehr unzuverlässige Menschen sind und wenn es ums Geld geht sehr unangenehm sein können. Das zehrt nochmal mehr an den Kräften, aber es ist ein Ende in Sicht.

Das nächste Mal werde ich eich von einem anderen Kontinent schreiben. Am 16.6 fliege ich über Panama Ciudad nach New York, wo ich eine Weile bleiben werde. Ich weiss noch nicht genau wann, aber von dort geht es nach Neuseeland. Arbeit suchen. Weitermachen. Ich drücke euch.

 

 

Nachtrag 13.06.2017

Jetzt ist es soweit. Ich bin ich Cartagena. Übermorgen um 6 Uhr geht mein Flug. Raus aus Kolumbien. Raus aus Lateinamerika. Raus aus der Entschleunigung. Ab in den puren Kapitalismus. Irgendwie freue ich mich, irgendwie nicht.

Die letzten Tage in Manizales waren hart. Kräftezehrend. Mehr Worte will ich nicht verlieren. Ich war eher froh als traurig endlich zu gehen. Ziel: Salento. Ich wollte mein Fußtrauma überwinden. In die Berge. In den Paramo. Zu meinem Unglück hat der Sommer nur 2 Wochen gehalten. Mittlerweile regnet es wieder Nachmittags oder den ganzen Morgen. Mir egal. Ich brauche die Balance wieder.Ich will meine psychische Belastung durch körperliche Beanspruchung ersetzen. Austoben. Einen geistigen Schlussstrich ziehen. Verabschieden. Der Parque National Los Nevados scheint mir richtig. Gute Erinnerungen und magische Momente von 2011. Einer der schönsten Flecken Erde die ich kennen lernen durfte. Ich hatte 3 Tage. Am ersten Tag vom Valle de Cocora (2150Meter) zur Finca Primavera (3680 Meter). Ich fing hochmotiviert an, Rekordzeiten. Mir viel auf wieviel Energie ich in mir hatte. Wie sehr ich mich strapazieren konnte. An der Grenze von Andenwald zu Paramo fingen die Erschöpfungen an. Mit ihnen der Regen. Als wäre der Paramo nicht nass genug. Ich rutschte von Frailejon zu Frailejon. Durch Schlamm und Sumpf. Plötzlich kam ein Jüngelchen. Er sagte er wolle auch zur Primavera, weil seine Mutter dort wohnt. Ob ich mit ihm komme. Er kennt eine Abkürzung. Ich hielt sein Tempo ganze 3 Minuten mit. Dann war er weg. Naja, bis später Oscar. Ich brauchte noch 2 Stunden. Fix und fertig, durchnässt und fast unterkühlt kam ich an der Finca an, Erinnerungen schossen in mein Kopf. Faszination. Fast nichts hatte sich verändert. Klar waren mehr Touristen da und die Finca wurde ausgebaut. Aber der Charme blieb. Kaum angekommen, verzog sich auch der Neben und die Sonne ließ sich noch eine Stunde blicken. Ich bin trotzdem an den Ofen in der Küche und trank eine Aguapanela.Baute meine Zelt auf, Genoss die letzten Sonnenstrahlen, erholte mich, genoss die Kälte und den direkten Blick auf den Nevado de Tolima mit seinem strahlenden Gletscher. Mir ging es gut. Der nächste Tag galt nur mir. Ich trocknete meine Sachen, die beim Aufstieg nass wurden. Die Sonne schien und ich ging ein bisschen spazieren zu der Laguna el Encanto und ein bisschen weiter. Machte Yoga dort und lief im Nebel zurück. der Regen fing an. Essen in der Warmen Küche, Sachen packen für den Abstieg. Schlafen. Es regnete bis 6 Uhr morgens. Um 6.30 lief ich los. Die Sonne kam kurz danach heraus. Die Dame von der Finca sagte es gäbe einen anderen Weg zurück zum Valle. Der sei trockener. Super dachte ich mir, merkte aber recht schnell das dies nicht für Tage nach einer durchgeregneten Nacht galt. Der Abstieg ähnelte eher einer Schlammrutsche. Doch ich kam an. Wieder Rekordzeit. 5 Stunden. Davon regnete es die letzte nochmal heftig. Ich hatte am gleichen Abend von Pereira einen Flug nach Cartagena. Also machte ich mir ein bisschen Gedanken über das Übergepäck durch die nassen Sachen. Aber eigentlich war es mir auch egal. In Salento meine Sachen organisiert, gegessen und eine schöne warme Dusche genommen. Der leichte Muskelkater und das ausgepowerte fühlte sich gut an.  Sehr gut. Balsam für die Seele. Ich freute mich die Gauchos und die Krausens wieder zu sehen. Ich hatte lange Zeit am Flughafen. Ich mag Flughäfen. Der Flug hatte Verspätung. Keine 12 Stunden nach dem kalten Paramo war ich in der Karibik. Meine zweite Familie wartete sehnsüchtig auf dem Balkon. Es war schön. Mir geht es gut. Jetzt kann es weiter gehen…

Sorry, ich hab gerade Probleme mit dem Internet und mit meinen Bildern… Aber ich will den Beitrag online stellen. Ich hole das nach!

Sorry, icS

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