Schildkröten, Iguanas und Boobies

Ich hatte keine Vorstellung wie diese Inseln aussehen sollten. Alles was ich hörte und wusste, war das man eine Unmenge von Geld haben muss um doch ein Stück seiner wertvollen Lebenszeit zu verbringen. Flug, Parkeintritt, Luxushotels, Geführte Touren, Bootsfahrten, Sternerestaurants, nur importiertes Essen. Klingt schön, aber nicht nach meiner Welt. Zumindest nicht nach dem Geschmack meines Portmonees. Darum hatte ich mich nie weiter mit diesem Gedanken beschäftigt. Oritt hat mir ein paar Blogs und Artikel gezeigt, die mein Weltbild erschüttert haben. Langsam haben wir wirklich darüber nachgedacht und im Unterbewusstsein war es auch schon entschieden. Ein paar Informationen hat man schon im Internet herausfinden können. Es gibt 3 Hauptinseln. Isabella, Santa Cruz und San Cristobal. Weitere bevölkerte Inseln. Floreana und Baltra. Daneben  mehr als 100 kleine und Mikroinseln. und jeden Tag entstehen neue. Wir lernten auch das ‚Galapago‘ auf spanisch ‚Wulstsattel‘ heißt. Ich denke mal, dass das irgendwie mit den Schildkröten zu tun haben wird. Baltra und San Cristobal sind vom Festland anzufliegen. Der Rest bzw. zwischen den Inseln kommt man nur mit dem Boot weiter. Oder einer Schildkröte, wenn man Glück hat. Es gibt anscheinend auch kleine Dörfer mit Märkten, normal sterblichen Bewohnern und kleinen Hotels, die erschwingliche Preise haben. Allerdings sollte man nicht im Vorhinein Buchen, da die Preise im Internet angehoben werden. Wir buchten Hin- und Rückflug für 9 Tage. 3 Tage auf jeder Hauptinsel sollte reichen um einen Eindruck zu bekommen. Wir haben uns ein Limit von 1000 Euro gesetzt mit Flug und Tagesausflügen. Schließlich ist dieser Spaß ja was einmaliges im Leben.

Von Guayaquil aus ging es los. Uns wurde empfohlen 3 Stunden vor Abflug dort zu sein. Wegen Kontrollen. Übertrieben dachte ich, aber wir machten uns trotzdem um 6 Uhr auf den Weg. Aber ich hatte mich geirrt. Wegen der strengen Einfuhrbeschränkungen gab es lange Schlangen an den Kontrollpunkten. Auch darüber haben wir uns im Vorfeld informiert und Essen eingekauft. Jedoch weiß man ja nie ob man was übersehen hat. Hinzukommt das ich bei Kontrollen und Polizei- und Militärpräsenz eine Basisnervosität habe. Die Rucksäcke wurden gescannt, teilweise ausgepackt, erste Gebühren gezahlt und weiter ging es. Langsam stieg die Vorfreude und das Bewusstsein dafür, was uns am anderen Ende des Fluges erwartete. Auch als wir nach 2 Stunden Flug in einer anderen Zeitzone landeten, ging es mit den Kontrollen weiter. Diesmal wurde das ganze Gepäck des Flugzeugs in der Ankunftshalle ausgelegt und die Passagiere mussten in einer Linie 5 m davon entfernt warten. Ein Spürhund wurde über und unter die Koffer geführt, einzelne Taschen wurden dabei nochmal rausgezogen, von außen betrachtet eine komische Szene, auch weil man nichts davon erklärt bekommen hat. Weitere Gebühren und der Parkeintritt. Peng. Galapagos. Wir strahlten vor Glück. Die Menschen die uns entgegen kamen allerdings nicht so. Ob es doch nicht so toll ist, oder ob sie einfach nur traurig sind zu gehen? Wird wohl ein Geheimnis der Insel bleiben. Mein erstes Tier: Ein Vogel. Es könnte ein Finke gewesen sein. Oder eine Feenseeschwalbe. Wer weiß das schon so genau. Zweites Tier: Kuh. Drittel Tier: Esel. Oke. Ich dachte auch es startet spannender. Nach dem Transport mit Bus und Fähre nach Santa Cruz ging es weiter zur größten Stadt und dem Tourismusmittelpunkt der Inseln: Puerto Ayora. Die Veränderungen der Landschaft waren klar zu sehen. Während es in der Küstenregion eher trocken und durch eine Busch bis Steppenvegetation geprägt war, wurde das Land je höher und weiter Weg von der Küste man fuhr fruchtbarer. In den Bergen konnte man sogar fast von einem dicht bewachsenen Regenwald sprechen. Das einfache an Vulkaninseln ist, dass sie meist eine Erhöhung in der Mitte der Inseln haben und zu allen anderen Seiten abfallen. Also ging es Bergauf und wieder Bergab mit der umgedrehten Vegetation. Mitten in den Bergen geschah es. Wir schauten aufgeregt wie kleine Kinder aus dem Fenster und ließen die Bäume und Grünflächen an uns vorbeiziehen. Dann kam ein großer Stein, der auf 4 kleineren Steinen lag und sein Hals bewegte sich. 2 Minuten später schauten wir uns gleichzeitig mit geöffnetem Mund und riesigen Augen gegenseitig an und bemerkten, dass wir gerade unsere erste Riesenschildkröte gesehen haben. Und sie war massiv. Das wir nicht aufgesprungen und gesungen haben war alles. Oke, gesungen haben wir. Habe ich. Viel mehr Euphorie hätte nicht mehr in den Tag gepasst. In Puerto Ayora angekommen merkten wir schon, dass die Städte komplett anders waren als wir uns das vorgestellt hatten. Es waren nicht die mit 5 Sterne Restaurants und Hotels gepflasterten Straßen. Es waren vielmehr normal entwickelte touristische Dörfer, die man auch auf dem Festland hätte finden können. Klar war das Zentrum voller Hotels (Allerdings ohne Sterne), Restaurants aller Preisklassen, Tauchshops, Touranbieter, Souvenierläden und kleinen Supermärkten. Aber alles überschaubar. In den Außenbezirken gab es auch hier Bretterbuden, Tankstellen, Märkte, ungepflasterte Straßen, Mechaniker und Müll. Die Sonne brannte und wir fragten uns nach Preisen und Ausstattungen der Hotels durch. Erste Regel für Galapagos: Verhandeln geht immer. Wie sich später herausstellte auch bei den Bierpreisen. Mehr und mehr näherten wir uns unseren Vorstellungen an. 25 Dollar für ein Doppelzimmer mit eigenem Bad, Küche, Internet und Trinkwasser inbegriffen. Ausgepackt, Geduscht, Kleinigkeit gegessen und nichts konnte uns aufhalten. Hier und da nach Preisen für Schnorchelsachen, Touren, Essen gefragt, Unterwasseretuis für die Kamera. Richtung Charles Darwin Station. Woooooow… Wir waren High vor Glück. Das zweite aufregende Tier, das uns vor die Füße lief, oder eher davor lag, waren die Iguanas. Meerechsen. Also schwimmende Leguane. Sie lagen überall. In allen Größen. Als wären sie vom Himmel gefallen und zu faul zum aufstehen. Streckten alle Viere von sich und wärmten sich an den aufgehitzten Steinen. Seelöwen gaben seltsame Geräusche von sich und gesellten sich dazu. Die roten Klippenkrabben spielten mit dem Kontrast der schwarzen Lavasteine und dem türkisenen Wasser. In der Luft machten Pelikane und Bindenfregattvögel ihre Runden. Wir merkten dass wir in einer verrückten Welt angekommen waren. Artenreichtum und Tiere mit wenig Scheu vor Menschen. Egal wo wir hinsahen gab es Leben und Lebensräume von uns unbekannten Lebewesen. Auch von vielen Menschenarten. Wir bahnten langsam unseren Weg zum Centro de Crianza und dem Informationszentrum der Insel. Saugten jeden Moment und jedes Informationsschild, jede uns unbekannte Lebensart auf und genossen die Momente. Ich glaube diesem überwältigenden Gefühl entkommt niemand, der gerade auf der Insel angekommen ist. In dem Informationszentrum ging es weiter mit Schildkröten in verschiedenen Entwicklungsstadien und Landleguanen. Ein bisschen Geschichte der Forschungszentren und die heutigen Probleme. Der Tag ging schnell vorbei und wir machten uns auf Richtung Küste um den Sonnenuntergang anzuschauen. Kein Strand. Nur Steine. Auch hier gab es Natur und wir wurden unfreiwillig Zeuge einer Iguana-Landechsen Vergewaltigung. Schlagartig verstanden wir Darwins Ansätze der Evolutionstheorie und der Artenveränderlichkeit. Reisen ist also doch die beste Bildungsmöglichkeit. Von dieser Szene geprägt beschlossen wir den Tag erschöpft nach unserer ersten gekochten Mahlzeit auf den Galapagosinseln zu beenden.

Früh am nächsten Tag ging es weiter. Entdeckerdrang. Allerdings war auch Planung und Informationsbeschaffung angesagt. Schnorchelsuche. Wohin, was, wie? Essen und Essen kaufen. Und wo macht man solche Pläne am besten? Genau. Ab an den Strand. Tortuga Bay. Ein kleiner Wanderpfad von ca. 2 km führte dorthin. Da wir jedoch noch nicht akklimatisiert waren und die Hitze uns alle Klamotten ausgezogen hat, kam er uns einiges länger vor. Weißer Sandstrand, klares Wasser. So konnte man Pläne machen. Dachten wir. In Wirklichkeit haben wir geschlafen und gebadet. Einen Plan machten wir notgedrungen. Wir beschlossen am nächsten Tag unseren Aufenthalt zu verlängern und den Rückflug zu verschieben. 3 Tage für jede Insel wären zwar gegangen, aber unmöglich zu genießen. Da die Preise auch unter unseren Erwartungen waren, brauchten wir keine 5 Minuten für diese Entscheidung und haben so einen großen Teil unserer To-Do Liste abgeschlossen bzw. aufgeschoben. Der einzige wichtige Schritt an diesem Tag war nur noch Essensbeschaffung. Auch das war ein Kinderspiel. Wenn es dunkel wurde, hat sich die Straße hinter unserem Hostel in eine Fressmeile verwandelt. Jedes ‚Kiosk‘ hat seinen Grill angeschmissen, Die Straße wurde gesperrt und mit Stühlen und Tischen belagert. Die Bedienungen buhlten um deine Gunst. Es gab Fisch in verschiedenen Formen, Meeresfrüchte, Ceviche, Beilagen, Säfte, Kochbananen, Bier… Sogar Eisdielen lächelten einen an den Straßenecken an… Wir konnten unser Glück kaum fassen und feierten mit einem Fisch in Cocossoße, Reis, Salat, Patacones und Linsen für 10 Dollar und einem Großen Bier. Nach dem Essen spazierten wir mit einem Eis in der Hand zum Hafen und schauten den mittlerweile aufgewachten Seelöwen beim spielen zu. Magische Tiere. Mein erster Babymanta schwamm auch vorbei. Schöner Tagesabschluss.

Wieder ging es früh raus. Sachen Packen. Erste Reise. Da wir unser Ticket schon am Vortag bei einem Touranbieter geholt haben, konnten wir gleichzeitig einen guten Preis für 2 Schnorchel herausschlagen. Oritt holte sich noch eine Wasserdichte Hülle für die Kamera und wir waren gewappnet eine neue Welt zu entdecken. Vorher ging es jedoch ins Reisebüro und wir verschoben den Rückflug auf den 6.2. und hatten somit 2,5 Wochen in diesem Paradies. Unglaublich. Und genügend Zeit. Jetzt mussten wir uns  nicht abhetzen und konnten auch mal kleine Pausen einlegen um das ganze zu verarbeiten und genießen. Die Organisation der Boote war chaotisch, aber hat funktioniert. Wieder Rucksackkontrollen und Warteschlagen. Aber schließlich saßen wir auf dem Oberdeck mit dem Kapitain, der mich an eine Latinoabklatsche von Easy-E erinnert hat und ich mir nicht ausmalen wollte, was für Geschichten er dir erzählen kann. Das Highlight auf der Fahrt waren Delphine, die uns zwischen den Inseln begleitet haben… Angekommen auf Isabella und in Puerto Villamil am Abend kam mir die Frage wieder in den Kopf, warum ich immer dieses Bild von Luxusurlaubern im Kopf habe. Klar war hier die Strandseite von kleineren Luxushotels geplastert, die 50 Dollar pro Person wollten, aber auch das war für die Aussicht mit Privatstrand, Frühstück und nicht zu vergessen ohne Verhandeln! nicht übertrieben. Das Dorf was sich dahinter offenbarte machte jedoch nicht den Eindruck, als würde das Geld des Tourismus wirklich ankommen. Es gab keine gepflasterten Straßen, viele Gebäude waren nicht gepflegt bzw. wirkten verlassen. Es war ein klassisches Küstendorf wie auf dem Festland. Wir suchten nach einem billigen Zimmer, was sich Abends schwieriger gestaltete, da die Bewohner deine Lage kannten und wussten, das die Zeit wegrennt. Wieso sollte es auch anders sein? Eine Nacht mussten wir eine teurere Option nehmen, danach sind wir wieder zu gewohnten Preisen zurückgekommen.

Am nächsten Tag wurde gewandert. Ein Pfad mit kleinen Sehenswürdigkeiten führte zu der 7km entfernten ‚Muro de las Lagrimas‘. Mauer der Tränen. In naher Vergangenheit wurden die Inseln als unmenschliches Gefängnis genutzt, von dem bis heute kaum noch Daten bzw. Kenntnis existieren. Die Mauer war der einzige Beweis und Zeuge der Gräueltaten. Die 100m lange, 20m hohe und 10m dicke Mauer wurde als Arbeitsbeschaffung und ohne Sinn von den Sträflingen errichtet. Der Wanderweg verlangte uns alles ab und wir mussten warten bis die Sonne weg war um neue Kräfte zu sammeln und spazieren zu gehen. Dort lernten wir die 2 für 1 Cocktailangebote der Strandkneipen kennen. Und eine neue Frucht, die sich Abseits des Festlands entwickelt hat. Die Crazy Coconut. Cocosnus, die keine Milch, sondern Rum im inneren hat. Kein wunder das Darwin so begeistert von den Inseln war.

Durch die Hitze am vorigen Tag, mussten wir uns abkühlen. Schnorcheln in Concha de Perla und das Breeding Center am Abend. Mal wieder war es ein intensiver Tag. Ein verrückter Moment, den ich hoffentlich nie vergessen werde habe ich beim Schnorcheln erlebt. Ich hatte Respekt, dieses Element zu betreten. Klar ist einem nichts von Tierangriffen im Wasser zu Ohren gekommen. Die Seelöwen beißen nur an Land wenn man ihnen zu nahe kommt in der der Balzzeit. Haie haben genug zu fressen hier und schlafen tagsüber meist. Iguanas sind Vegetarier…Trotzdem war mir das ganze nicht ganz geheuer. Typisch nach diesem ‚und was ist wenn doch?‘ Ansatz. Abgesehen davon halte ich mich sowieso nicht gerne in Gewässern auf, wo ich den Boden nicht sehen kann. Ich hatte also Respekt und bin vorsichtig gestartet. In der Nähe der Küste bzw. Mangroven. Nie zu weit weg von anderen Schnorchlern und immer Boden in Sicht. Die Sicht war allgemein gut. Das Unterwasserleben bunt. Keine Ahnung was das alles für Kreaturen waren. Aber es war wunderschön. Nach ein paar Stunden hat man sich auch weiter weg getraut. Bis zu einem Punkt wo Strömung herrschte und man gemütlich wieder zurückgetrieben wurde. Komisches Gefühl. Die Strömung war schwach, aber man merkte die Macht und wenn ich früher dachte: da kann doch nichts passieren, wenn man schwimmen kann, hat dies mich nochmal zum Nachdenken angeregt. Ich tauchte kurz auf, schaute wo ich bin und als es wieder Bergab ging, war sie da. Eine Meeresschildkröte. Ich war erstarrt. Merkte aber das ich gegen die Strömung schwimmen muss um bei ihr zu bleiben. Sie war Majestätisch. Wie sie sich bewegte. Ich verliebte mich in den Anblick dieses Tieres. Schwerelos und Leicht schien dieses Tier mit dem Wasser zu spielen. Darin zu fliegen. Ich wollte nicht loslassen und folgte ihr. Sie schwamm aus der Bucht raus. Ein paar Meter blieb ich neben ihr. Immer noch nicht in der Lage zu begreifen was da gerade passiert. Dann lies ich sie gehen und sie flog davon. Magisch. Ich brauchte ein paar Stunden um mich zu sammeln. Auf dem Weg zum Steg sah ich eine zweite, die aber schnell wieder verschwand. Ich setzte mich an den Rand und ordnete meine Gedanken. Um mich herum Seelöwen, die auf den Bänken schliefen und sich im Schatten trockneten. Als wir abends zum Breeding Center wollten und kleine Baby-Rießenschildkröten schauen wollten, waren wir schon spät dran. Wir schafften es nicht mehr, weil wir auf dem Weg von einem Schwarm Flamingos aufgehalten wurden. Es schoss nur eine frage in meinem Kopf an diesem Abend. Wo bin ich hier?

Noch nicht geheilt vom Vortag ging es weiter. Oritt hat am Vortag einen Kajakverleih ausfindig gemacht. Wir machten eine private Tour mit Carlos zu den nahegelegenen Inseln Las Tintoreras. Das Spektakel begann. Rießenmantarochen, Babymantarochen, Adler- und Stachelrochen in allen Größen. Wir sahen Galapagoshaie und Weißspitzenhaie, die sich in dem Flachen Wasser vor der Küste ausruhten. Galapagospinguine, die herumspielten und die bekannten Blue-Footed Boobies. Pelikane in Baumkronen. Der anschließende Tauchtrip brachte uns wieder zu Wasserschildkröten, Hummern und Langusten, Fischen in allen Farben und Formen. Traumhaft. Aber wir waren bedient und nahmen und den Rest des Tages frei. Eindrücke verarbeiten. Als ich merkte das ich meine geliebte Federkette bei einem der Tauchgänge verloren habe und meine Backupkette in einem Beutel, der auch verschwunden ist, war, war der emotionale Höhepunkt der Reise erreicht. Und der Tag wurde mit Bier und Crazy Cocunut begossen.

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Zutraulich..
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und frech

Wir gingen die Tage viel Schnorcheln und nahmen uns kleine Auszeiten. Aber wussten auch, dass wir noch 2 Inseln vor uns haben. Bevor wir gingen machten wir noch einen Ausflug in das Innere der Insel. Zum Sierra Negra Vulcano und und zum Volcano Chico. Eine Tageswanderung mit Snack und Guide, der ab und an sehr Schweigsam war. Aber alles in allem war es schön. Der Krater des Sierra Negra ist mit 10 km Durchmesser der zweitgrößte der Welt. Die Wanderung ging entlang am Kraterrand bis zum dahinter liegenden Volcano Chico, zu dem man in einer beeindruckenden Lavalandschaft und verschiedenen Vegetationszonen gelaufen ist. Am gleichen Abend haben wir es kurz vor Schluss noch vorbei an den Flamingos zum Breeding Center geschafft und bestaunt wie klein Rießenschildkröten geboren werden.

Es ging zurück nach Santa Cruz. Wir hatten ungefähr schon die Hälfte der Zeit hinter uns und noch soviel vor. Also durften wir keine Sekunde verlieren. Informationen heranschaffen, Preise vergleichen und gebucht. Fahrrad ausgeliehen. Nach dem ganzen Strand, Meer und Sonnenschein wollten wir auch mal in die kühleren, vertretenen Berge der Region. Zumindest war ich mir im klaren, dass es Berge sind, wie sich später herausstellte. Wir hatten einen großen Tagesplan. Zu den Lavatunneln, zu der Schildkrötenreservat ‚El Chato‘, zu den Kraterlöchern ‚Las Gemelos‘ und zum Abschluss zum wundervollen Garrapatero Beach, wo man traumhaft schnorcheln und Vögel sehen kann. Je länger der Weg den Berg hinauf ging, desto mehr wurde gestrichen. Erst der Strand. Dann die Kraterlöcher. Dann kam Regen. Ich freute mich über das auspowern und endlich mal wieder Sport. Allerdings war ich mit dieser Ansicht alleine. Auch die Lavatunnel haben wir nur halb gesehen. Aus Zeitgründen. Aber wir hätten sowieso keine Taschenlampen dabei gehabt. Dafür gab es jede Menge Schildkröten in extremen Größen. Abends Fisch vom Grill und der Tag wurde nicht viel älter.

Tauchen war die Überschrift des nächsten Tages. North Seymor. Da Oritt schon ihren Tauchschein hatte, wurde ich mithilfe eines Discoverydives an die Hand genommen. Die Tauchlehrer (19 und 21 Jahre) hat aber gesehen, dass ich mich sehr natürlich im Wasser bewege und mich beim zweiten Tauchgang mit der erfahrenen Gruppe mitgenommen. Ich war nervös bevor alles los ging. Die Bootsfahrt war wunderschön. Aber wie soll ich mir vorstellen unter Wasser zu atmen? Was mache ich mit den Haien? Und wenn was nicht stimmt? Unterwasserdruck und zu schnell auftauchen? Ungefährlich ist das schon nicht. Ich habe den Burschen vertraut. Schließlich machen sie das seit sie 12 sind. Joel hat uns alles gut erklärt und seine Lockerheit hat abgefärbt. Wow. ich war beeindruckt von diesem Element. Der erste (Probe-) Tauchgang ging nur darum uns mir der Flasche, der Umgebung und dem Atmen vertraut zu machen. Auch mit den Zeichen und dem Schwimmen. Check. Ein Weißspitzenhai war meine erste Begegnung. Dann kam der Galapagoshai hinzu. Der ist auf jedenfall Größer. Lange sind wir nicht geblieben. aber es war beeindruckend. Ich habe mich in den Sport schon verliebt. Als sich beide Gruppen wieder auf dem Boot getroffen haben ging es zu einem anderen Spot und wir sind alle zusammen los. Wasserschildkröten. Mantamamas mit Kindern. Fische. Fische. Fische. Morenen. Und dann. Ein Hammerhai. Ich hatte die selbe Lähmung wie bei der Wasserschildkröte. Wusste aber das das bei dieser Situation unangenehmer werden kann. Wow. Dieses Geschöpf. Purer Muskel. Rießig. Gepaart mit einem lustigen Kopf. Man sah wie sein Radar uns erfasste, er erschrak und wieder verschwand. Ein paar Minuten weiter und ich bekam das Zeichen mit einem anderen der Gruppe aufzusteigen. Auf dem Heimweg entspannten wir und ließen nochmal alles Revue passieren. Plötzlich stoppte das Boot. Sogar Joel war aufgeregt. Orcas. Eine ganze Gruppe tummelte sich, spielte, was auch immer. Sie sprangen und verschwanden. Wir sind ihnen ein wenig gefolgt. Unüblich für diese Jahreszeit. Kurz vor dem Hafen schwamm noch was im Wasser. Wir kamen näher. Jetzt weiß ich wie Wasserschildkröten sich paaren. Adios Unterwasserwelt. Auch dieser Tag wird mir noch eine Weile im Kopf bleiben.

Zeitnah ging es weiter zur letzten Insel. San Cristobal. Langsam waren wir im Inselhopping alte Hasen. Ankommen. Hotel suchen. Auspacken. Die Hauptstadt der Galapagosinseln Puerto Baquerizo Moreno glich eher einem Dorf und war nicht einmal halb so groß wie Puerto Ayora. Aber die mit Abstand angenehmste Stadt von allen. Auch die verregnetste. Wir fanden recht schnell die wohl beste Bäckerei ganz Ecuadors und wussten wie wir uns die ersten Regenstunden vertreiben konnten. Dann ging es auf Entdeckungstour. Klar hatten wir ein paar Sachen, die wir sehen wollten und fragten auch gleich nach Preisen und Touren. Eigentlich war alles geplant. Da ich keine Tauchlizenz hatte konnte ich nur schnorcheln gehen. Oritt war deswegen ein wenig traurig, da sie den berühmt berüchtigten Kicker Rock (Leon Dormido) nur von der Wasseroberfläche sehen konnte. Aber wir wollten die Touren eben zusammen machen. Es gab eine Tour um die Insel mit 3 Schnorchelgängen und mehreren Stränden. Klingt gut. Auf dem Weg zur Bäckerei kamen wir bei einem Touranbieter vorbei, den uns Joel empfohlen hatte. Ich hatte schon keine Lust mehr, weil die Preise alle gleich waren und ich zur Bäckerei wollte. Oritt ist trotzdem rein. Gleiches Gespräch wie vorher: ‚Wir wollen… aber er hat keine…was machen wir?‘ ‚Mach doch dein Tauschschein‘ war die Antwort. Er murmelte kurz etwas zu seinem Divemaster Iwan. Der murmelte zurück. Angebot: Ich mache meinen Tauchschein und zahle den halben Preis von der Kicker Rock Tour,  mache meine 2 Lehrgänge, Kicker Rock 2 Tauchgänge, bekomme eine Nachttaucherei und eine Tour zu einem Schiffswrack gratis dazu. Oritt macht ihren fortgeschrittenen Tauchkurs, kommt kostenlos zu Kicker Rock und dem Schiffswrack dazu. Das ganze für den Gesamtpreis von 100 Dollar mehr als diese Schnorcheltour. Wir mussten nicht lange überlegen. Allerdings ging es auch einen Theorieteil. Der hat gleich angefangen. Für mich. Ich habe viel Zeit mit Ivan verbracht. Mehr als mit Oritt in den Tagen. Aber es hat sich gelohnt. Kicker Rock war genial. Wenn auch eher von der Unterwasserwelt, als von der Tierwelt. Aber das ist wie an Land. Es ist kein Zoo und kann den Tieren nichts befehlen. Einen riesen Fischschwarm haben wir gesehen, oder eher eine Wand. Drinnen war es recht Dunkel. Mantas, die Strömung, bei der man machtlos war. Octopusse, Haie, Schildkröten, Moränen und Fische. Kalt war es. Beim zweiten Tauchgang konnte Oritt nicht mehr mit, weil sie beim ersten zu schnell an die Wasseroberfläche ist. Sie hatte Tagelang mit dem Druckausgleich noch Probleme und mir hat das gezeigt, das das Hobby auch sehr Gefährlich sein kann. Wie gesagt hatten wir nicht mehr sehr viel von den letzten Tagen zu zweit, weil ich entweder bei Iwan oder mit ihr im Wasser war. Aber schön war es trotzdem.

Wir ließen die Tage noch ausklingen. gingen zu dem ein oder anderen Strand (Loberia). Nachmittags regnete es. Zurück nach Isabella. Auch hier nahmen wir nur noch die guten Sachen mit. Genossen die Sonne und schauten den Superbowl. Der Traum Galapagos war Zuende. Wir nahmen uns vor, nicht wie die anderen Gringos, lächelnd die Inseln zu verlassen, weil es eine Besonderheit für uns war hier zu sein. Ich muss hier nicht mehr zurück. Diese 2,5 Wochen haben mir auch die negativen Seiten der Insel gezeigt. Menschen wachsen hier seit ca. einer oder zwei Generationen mit nur einem Gedanken auf: Geld. Selbst an einem magischen Ort wie hier wissen die Menschen die Besonderheit nicht zu schätzen. Die Städte sind verdreckt, man wirft Müll in die Natur oder Plastik in Gruben, die Touristen nicht sehen sollen. Die Menschen preisen Ökotourismus an und verlangen extra Gebühren für Naturreservate. Kennen aber nur die Wörter und nicht Ihre Bedeutung. Es ist nichts anderes wie auf dem Festland. Und das macht mich traurig. Es bestätigt meine Meinung, das der Mensch am Abgrund seines Seins steht und es nicht verdient hat zu überleben. Im Gegenteil würde jemand dem Planeten einen Gefallen tun wenn ihn jemand schubsen würde. Die Worte ‚Zivilisiert‘ und ‚Bewusstsein‘ sind die bedeutungslosesten Worte die ich kenne.

Nichtsdestotrotz waren die Inseln magisch. Es hat aufgehört wie es angefangen hat. Gleicher Weg. Nur andere Richtung. Mit dem Ende des Galapagostraumes nahte auch das Ende der gemeinsamen zeit von Oritt und mir. Das hat die Stimmung der letzten Tage nicht gehoben, aber die Intensivität wurde auch nicht genommen. Wir ließen die Reise in einem kleinen Dorf an der Küste Ecuadors ausklingen. Dann ging es weiter. Für mich nach Norden. den zweiten Anlauf wagen. Für Oritt nach Süden. Cusco/Peru. Training zur Yogalehrerin.

Mittlerweile bin ich wieder in Manizales angekommen. Der Weg hierhin glich einem Marathon und ich hatte 48 Stunden Busfahrt um ein paar der Eindrücke des letzten Monats zu verarbeiten, mich von Oritt bis auf weiteres zu verabschieden, nachzudenken, Zukunft zu fokussieren und meine nächsten Schritte zu planen. Ab jetzt kommt die Veränderung. Mit Anlauf nach Kolumbien. Hijo de Madre.

Alaaf!

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2 Gedanken zu “Schildkröten, Iguanas und Boobies

  1. puh, jetzt hab ich eine Gänsehaut. Wieder ein supertoller Bericht und noch bessere Bilder (obwohl ich das 1. Woooow Bild nicht indendifizieren konnte). Weisst Du, fast alle Menschen schätzen erst, was sie nicht mehr haben. Und dass so arme Völker ihre Natur verkaufen, können wir wohl nicht verstehen, obwohl es ja überall auf der Welt wo es etwas außergewöhnliches gibt man dafür bezahlen muss. Wenn`s aber nicht so wäre kämen viele nicht in den Genuss so etas zu erleben, da man keinen Zugang dazu hätte. Traurig ist dabei nur, dass die einfache Bevolkerung so wenig abbekommt. Ich wünsch Dir aber trotz noch viele außergewöhnliche Begegnungen und Erlebnisse – bleib gesund und fit- liebe Grüße Brigitte

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