Las calles de Medellin

Wie ich mich auf Medellin gefreut habe… Ich war insgesamt 4 Mal hier. Jedes Mal war ich begeistert von der Stadt. Um es vorwegzunehmen: Diesmal auch. Die Menschen. Die Kultur. Die Angebote. Das Klima. Der Vibe. Zugegeben, ich war noch nie an Weihnachten hier. Ich habe noch nie die in ganz Lateinamerika berüchtigten Alumbrados (Weihnachtsbeleuchtungen) gesehen. Aber dieses i-Tüpfelchen bestätigt meinen Eindruck und macht Medellin zu meiner Lieblingsgroßstadt in Lateinamerika. Ich habe der Stadt eine Medaille verliehen, indem ich gestern einen Ring verloren habe und die Feier der Preisverleihung zieht sich seit der Ankunft. Ein Zuckerschmaus. Denn ich halte es langsam nicht mehr für einen Zufall, das ich von Festivals verfolgt werde. Nein. Ich sehe es als Zeichen und als ein Willkommensgeschenk des Landes und der Menschen (als würden sie mir nicht schon genug geben) mir zu Ehren Musik zu spielen und das Leben zu feiern. Man munkelt es sei ein Werben der Städte um meine Gunst. Um meine Anwesenheit. Denn es ist nicht nur irgendwelche Musik. Medellin hat mir seine Liebe gestanden und mir die Hermanos Lebron noch einmal präsentiert. Doch noch nicht genug. Am nächsten Tag durfte ich Zeuge werden wie die lebende Cumbialegende Lizandro Meza die Bühne besteigt. Ich bekam feuchte Augen und glich diesen Flüssigkeitsverlust sofort mit Rum aus. Danke meiner Mutter weiß ich das ein gesunder Flüssigkeitshaushalt das A und O eines glücklichen Lebens ist. Durch das ganze Tanzen und Toben der Tage musste ich zugegeben viel ausgleichen. Aber mein Körper war dankbar. Und meine Mitmenschen auch.

Ich lerne hier tolle Leute kennen. Vielleicht liegt es daran wie ich auf Menschen zugehe, vielleicht sind die Menschen auch gerade toll. Die ersten Tage lernte ich Anissia kennen. Ein Energiebündel. Kein Plan wie ihr Beruf heißt. Vielleicht ‚Company brain‘ oder Business developer‘. Sie war hier um sich ein paar StartUp Unternehmen anzuschauen um zu entscheiden ob sie diese unterstützt und mit in das Geschäft einsteigt oder nicht. Wir haben 2 komplette Tage verbracht und unausweichlich habe ich mit ihr ein paar Ideen geteilt die ich gerade habe. Sie war begeistert 🙂 Leider mochte sie das kolumbianische Essen nicht und hat bald ein Projekt in Bordeaux. Aber wir bleiben in Kontakt. Abgelöst wurde sie durch 2 Amerikanerinnen und einen verrückten Holländer. Oritt, Cynthia und Jeff. Freigeister, Musikbegeistert , sagen niemals ‚Nein‘ und leicht zu Euphorisieren. Gefährliche Mischung. Aber tolle Tage. Wir waren unter anderem im ‚Casa de la memoria‘. Einem beeindruckenden Museum, das von den Opfern der Gewalt in Medellin errichtet wurde um diese Zeit nicht aus den Gedanken der Menschen zu löschen. Es wurde bis ins Detail mit Zeitungsberichten und Zeugenaussagen berichtet wie sich die Grausamkeiten von der Epoche der ‚La Violencia‘ (1946-1958) über die Militärdiktatur, der Bildung der FARC, der Paramilitärs bis hin zum Medellin Kartell und dessen Ende verbreiteten und entwickelten. Diese Geschehnisse sind Grauenhaft und sind fester Bestandteil der Geschichte Kolumbiens. Man kann diese 70 Jahre andauernde Gewaltwelle (vielleicht eher Gewalttsunami) jeden Tag sehen, wenn man durch die Straßen läuft. Vertriebene Landbevölkerung, Slumbildung und Drogenabhängige. So ist Medellin gewachsen und zu der Stadt geworden, die es heute ist. Stolze Bürger, bunte Kultur, lebensfrohe Menschen. Die Stadt versteht Zeichen zu setzten. Als das Medellin Kartell zerschlagen wurde, vielen Familien die Einnahmen gefehlt haben, hat die Stadt architektonische Prachtbauten in die ärmsten und am stärksten betroffenen Viertel gestellt. Diese Bauten wurden mit Büchern gefüllt und sind für jeden zugänglich. Bildung gegen eine aussichtslose Zukunft. Z.B. Die Biblioteca Espana in der Comunidad 13. Vor 5 Jahren als ich hier war war ich froh von der Metro zur Bibliothek zu kommen. Heute ist das ganze Viertel eine Touristenattraktion. Die Straßenhändler, Restaurants und Geschäfte verdienen daran. Kinder bieten Viertelführungen an. Es kommt Leben rein. Die Metro ist auch so eine Sache. Medellin ist umgeben von Bergen. In einem Kessel. Die Busse an die Stadtränder, die vernachlässigten Gegenden brauchen Stunden. Die Stadt baut MetroCables. Seilbahnen. Die abgelegensten Ecken können innerhalb von 25 min vom Zentrum aus erreicht werden. Keine zusätzlichen Kosten. Nur die 70Cent für das normale Metrosystem, das durch die ganze Stadt führt. Sind die Gegenden der Seilbahnstationen zu Steil, gibt es Rolltreppen, die einen durch die Berge führen. So können selbst ältere Menschen und Kleinkinder am Stadtleben teilhaben. Man kommt raus aus dem Barrio. Man hat Chancen. In den 80er Jahren gab es ein Gesetz, das von dem Budget jedes neu gebauten Gebäudes 5% in öffentlich zugängliche Kunst investiert werden musste. Darum wird Medellin auch die Stadt der Skulpturen genannt. Die Plaza Botero ist das beste Beispiel.

Nach und nach haben sich auch die Menschen herauskristallisiert, die meine Ersatzfamilie für Weihnachten darstellen sollten. Jeff und Cynthia sind leider schon vorher abgereist. Dageblieben ist ein internationales Gremium aus Kolumbien, Mexico, USA (West- und Ostküste), Italien und ich als deutsch-französisches Freundschaftsbündnis. Es war auch das Freundschaftsbündnis das die Aufgabe als Chefkoch übernommen hat und den Abend mit einer kulturellen Bereicherung namens ‚Glühwein‘ abgerundet hat. P.S.: Er schmeckt bei jeder Temperatur! Alles in allem war es ein grandioser Tag. Viel gelacht, viel geredet, viel getrunken, alle satt und alle glücklich. Eine schöne Weihnachten. Wenn auch nur mit der 4ten Familie im Ranking. Die Weihnachtstage wurden eher gemütlich ausgeklungen gelassen. Auch weil sich die Nachmittage als regnerisch erwiesen. Und wie es immer so ist in Hostels, kommen und gehen die Menschen wie ihnen gerade der Kopf steht. Kaum kommen Menschen, die man mag, interessant findet, den nervigen Travellersmalltalk hinter sich hat, gehen sie auch wieder. Gestern war ein Tag an dem alle gegangen sind. Und neue gekommen. Ich gehe auch. Morgen. Darum hab ich keine Lust mehr auf Smalltalk. Zumindest nicht in Medellin. Mein Weg führt nach Manizales. Zumindest kurz. Ich werde die auserwählte Stadt kurz verlassen um Oritt nochmal zu sehen. Ihr Salento zu zeigen und zusammen wollten wir den Karneval in Pasto erkunden. Vom Süden geht es in die Salsahochburg Cali um von dem ersten bekannten Gesicht hier ein paar Tanzschritte zu lernen und alte Geschichten auszutauschen. Weiter habe ich noch nicht gedacht… Nur das ich Anfang Februar das Land verlassen muss. Erster Visawechsel. Wie schnell die Zeit vergeht. Am 22.12 waren es 5 Monate.

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5 Gedanken zu “Las calles de Medellin

  1. Hey Bruderherz, wie immer toller Bericht und super Bilder! ABER: das wichtigste Essensbild hast du vergessen: deine Bolognese fehlt auf dem Foto 😃
    Ich wünsche dir heute einen guten Rutsch! Ich vermute mal du wirst ins Jahr 2017 reintanzen 😉
    Aber vorher solltest du das mit dem Flüssigkeitshaushalt nochmal überdenken 🤔 ich glaube unsre Mutter hat damit Wasser und Tee gemeint, nicht literweise Rum 😉😂
    Lass es dir gut gehen 😊

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  2. Hallo Gwenn, muss mich Deiner Schwester bezüglich des Flüssigkeitshaushaltes anschließen.
    Dein „Glühwein“ war Rum mit Zitrone oder reiner Zitronensaft?
    Deine Erzählung/Bericht war wieder sehr fesselnd und die Bilder wieder wunderschön.
    Bitte eine Video über Deine Salsastunde!!
    Ich wünsch Dir alles liebe im Neuen Jahr und dass Du findest was Du suchst. Bleib gesund.
    Brigitte

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  3. Hey du fliegender Peter Pan, sag mal…bist du bei all dem Essen eigentlich jetzt auch so rund wie die Katze auf deinen Fotos? Egal was du zu essen zeigst, ich hab jedesmal Bock drauf zu wissen wie das riecht.
    Es freut mich zu lesen, dass es dir gut geht und du ein liebevolles Weihnachten hattest. Obwohl du sooooooo weit weg bist.
    Deine Bilder sind jedes mal wie Zaubertüren aufmachen in einem virtuellen Adventskalender, der existiert obwohl die Vorweihnachtszeit vorbei ist, check das! Dem Universum sei Dank! Jetzt kann man endlich in dieses tolle neue Jahr springen und schauen, was es einem diesmal bringen mag und was man selbst mit ihm so aufregendes anstellt. Ich wünsche dir auf jeden Fall, dass es für dich ein kunterbunt gutes Jahr wird.
    Fühl Dich fest umarmt und trink n Sprudel für mich mit, falls das auch auf deiner Flüssigkeitszufuhrliste draufsteht. Weißt ja, nur das Beste für dich.

    Gefällt 1 Person

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